Ein Ehepaar und ihr Nachbar stoppen einen brutalen Messerangreifer und retten so das Leben einer jungen Frau. Zwei Freundinnen erkennen, dass ein Mädchen ihnen das internationale „Signal for Help“ zeigt und befreien es so aus der Gewalt eines Mannes, der es sexuell belästigt. Und zwei Mitbewohner verhindern die Vergewaltigung einer Frau in ihrer Nachbarschaft und sorgen dafür, dass der eritreische Täter von der Polizei festgenommen werden kann. Es sind Geschichten von Menschen, die überdurchschnittlich Mut, Einsatzbereitschaft und Zivilcourage gezeigt haben und in Ausnahmezuständen besonnen gehandelt haben.

Am Montagabend wurden im Hauptstadtstudio des ZDF zum 25. Mal der Aktenzeichen XY-Preis – „Gemeinsam gegen das Verbrechen“ – verliehen. Seit April 2002 ist der Preis ein fester Bestandteil der Fahndungs- und Kriminalpräventions-Sendung. Im Rahmen dessen werden Bürgerinnen und Bürger ausgezeichnet, die ihren Mitmenschen in brenzligen Situationen geholfen oder sogar das Leben gerettet haben. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.
Durch den Abend führte der „Aktenzeichen XY…ungelöst“-Moderator Rudi Cerne. Die Laudationen für die jeweiligen Preisträger hielten die Schauspielerinnen Dennenesch Zoudé und Stella Hinrichs sowie der ZDF-Moderator Mitri Sirin. Allesamt hielten emotionale Ansprachen und würdigten das mutige Verhalten in Ausnahmesituationen.
Die Schirmherrschaft über die XY-Preisverleihung übernahm Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). Er bezeichnete die Preisträgerinnen und Preisträger als „Mutmenschen“, die hingeschaut hätten, als andere wohl weggesehen hätten und mit ihrem verantwortungsbewussten Handeln einen großen Teil für die Zivilgesellschaft geleistet hätten. „Held wird man ohne Vorwarnung“, erklärt der Bundesinnenminister. Es sei etwas Besonderes, in einem solchen Mutmoment richtig zu handeln. Dobrindt dankte in seiner Ansprache auch den Einsatzkräften sowohl für ihre großartige Ermittlungsarbeit als auch den täglichen Dienst auf der Straße. Ihnen werde viel zu wenig für ihre großartige Arbeit gedankt, so der Bundesinnenminister.
Auch der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Heiko Teggatz, war Teil der Fachjury. Diese wählte drei Fälle aus, die zeigen, wie wichtig Zivilcourage und gesellschaftlicher Zusammenhalt sind. „Es ist großartig, was die Preisträgerinnen und Preisträger geleistet haben. Ihr Engagement ist leider nicht selbstverständlich und verdient höchsten Respekt“, betont Heiko Teggatz. Aber auch die Geschädigten dieser Taten dürften nicht vergessen werden, denn die psychischen und physischen Folgen solcher Verbrechen seien immens.
Das betonte auch Dr. Thomas Krull, der gemeinsam mit seiner Frau Annemarie und seinem Nachbar Daniel Karstens am Hodenhagener Bahnhof im vergangenen Jahr einen schizophrenen Messerangreifer davon abhalten konnten, weiter auf eine junge Frau einzustechen, die er in ein Gleisbett geschubst hatte. Während Daniel Karstens den Täter mit einer Eisenstange ablenkte, konnte das Ehepaar Krull – beide Veterinärmediziner – nach Eintreffen der Polizei notfallmedizinische Erstversorgung leisten. Dr. Krull wies auf eine „gofundme.de"-Spendenseiteder Geschädigten in ihrem Fall hin, die schwere Abwehrverletzungen an der Hand erlitten hat und auf Hilfe angewiesen ist.
Schlimmeres verhinderten auch Michelle Kuhn und Marco Schwarzenberger aus Augsburg. Die Mitbewohner hatten in ihrer Nachbarschaft abends Hilferufe einer Frau gehört und in unmittelbarer Nähe ihres Hauses gesehen, dass eine Frau von einem Mann aus Eritrea sexuell belästigt wurde. Durch das mutige Einschreiten der beiden jungen Menschen konnte der Täter von der Polizei festgenommen und die Frau vor einer Vergewaltigung gerettet werden.
Wie wichtig es ist, auf seine Mitmenschen zu achten, zeigt auch der Fall von Valeria Lizenberger und Edanur Karademir. Die beiden Mädchen hatten am Trierer Hauptbahnhof ein augenscheinliches Pärchen beobachtet, das sich merkwürdig verhielt. Tatsächlich belästigte ein deutlich älterer Mann ein junges Mädchen auf einer Parkbank, versuchte es zu küssen und lag mit seinem Körper halb auf ihr. Als der Mann versuchte, sich mit ihr zu entfernen, zeigte das Mädchen das internationale „Signal for Help“. Die Freundinnen reagierten geistesgegenwärtig und sprachen den Mann an. Der flüchtete und Edanur folgte ihm, um der Polizei eine konkrete Personenbeschreibung durchgeben zu können. Der Täter wurde später gefasst.
Edanur kannte das internationale Hilfe-Zeichen aus dem Jugendrotkreuz und hatte die Situation sofort verstanden. Für die Preisträgerinnen stand ohnehin fest, auf das eigene Bauchgefühl zu hören und lieber einmal zu viel nachzufragen, ob alles in Ordnung sei, als zu wenig Zivilcourage zu zeigen.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) gratuliert allen Preisträgerinnen und Preisträgern ganz herzlich und spricht ihnen größten Respekt und Anerkennung für ihren mutigen und besonnen Einsatz für ihre Mitmenschen aus. Ein weiterer Dank gilt der Redaktion des ZDF und „Aktenzeichen XY…ungelöst“ für die Möglichkeit, als DPolG erneut Teil der Fachjury zu sein und diese wichtige Auszeichnung unterstützen zu können.